das leben der himba im Epupa Falls village

Zu den Epupa Falls wollte ich schon seit geraumer Zeit, um das indigene Volk der Himba zu besuchen und dieser Traum hat sich im Oktober 2019 erfüllt.

Die Realität war irgendwie anders als in meinen Erwartungen, aber mit den Erwartungen ist es ja immer so eine Sache, geblieben sind viele positiver Erinnerungen.

Folgt mir auf meinem Ausflug in das Epupa Falls Village...

 

Das Volk der Himba ist aus Film, Fernsehen und diversen Werbefilmen bestens bekannt. Man hat nicht mehr die Erwartungshaltung sich auf die Reise begeben zu müssen, um dieses indigene Volk zu besuchen. Die Himba leben auch heute noch traditionell im Norden Namibias.

 

 

Ich war der Ansicht ganz in den Norden bis an die Grenze von Angola an den Kunene Fluß fahren zu müssen, um traditionell lebende Himba zu treffen zu. Das traditionelle Siedlungsgebiet der Himba, das Kaokoveld, beginnt bereits wesentlich weiter südlich, mit der Provinzhauptstadt und einzigem Versorgungspunkt weit und breit ist Opuwo.

 

Von hier aus kann man in Richtung Osten fahren, dem einsamen Teil des Kaokoveldes und dem ursprünglichsten (zur Red Drum und weiter zum Marienfluss, wer nach Grenzerfahrungen sucht, der kann den Van Zyl`s Pass befahren - aber bitte nur von Ost nach West).

 

Hier habe ich die ehrlichsten und offensten Begegnungen mit den Menschen auf dieser Reise gehabt. Es ist eine dieser Gegenden die einen nicht mehr loslässt, die etwas mit einem macht, die mich weit aus meine Komfortzone getrieben hat und die sich mir eingebrannt und mich berührt hat.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Wer von Opuwo auf dem Pad C43 gen Norden fährt, der gelangt in der Trockenzeit nach ca. 3 bis 4 Stunden, etlichen Kurven und etwas Schwindel ohne 4x4 (in der Trockenzeit) zu den Epupa Falls.

 

Nur der schmale Kunene Fluss, zumindest ist er das in der Trockenzeit, trennt hier die beiden Staaten Namibia von Angola.

Auf beiden Seiten der Grenze oder des Flusses, leben traditionell die Himba. Eine Grenzquerung ist nicht mehr als ein Bad im Fluss, welches hin und wieder tödlich endet. Grenzkontrollen gibt es nicht. Auf angolanischem Staatsgebiet ist nichts, absolut nichts zu sehen, bis auf hin und wieder ein paar Ziegen.

 

Epupa Falls ist weltberühmt wegen der Epupa Wasserfälle und dennoch ist es ein verschlafenes Nest im Nirgendwo. Eine Tankstelle oder einen Kreditkartenautomaten sucht man vergebens in dem kleinen Dorf, welches kaum ein paar hundert Einwohner zählt.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Eine kleine Klinik mit permanenter Besetzung ist seit einiger Zeit im Bau, die Versorgung für die ganze Region. Ein riesiges Projekt für die Region, dementsprechend aufgeregt sind die Bewohner. Im Moment gibt es unter der Woche eine Krankenschwester. Mal sehen, ob sich ein Arzt für Epupa Falls findet.

 

Ansonsten gibt es den Kunene Fluß, viele Palmen, sehr viel Sand und vier Campsite bzw. Lodges. Kaum zu glauben, dass hier vor mehreren Jahrzehnten UNO Schutztruppen am Fluss standen und die Himba mit anderen Stämmen bewaffnet in den Krieg nach Norden gezogen sind.

 

Für mich war das immer mehr oder weniger eine Geschichte, Realität wurde es für mich in dem Moment, als ich das Gewehr eines Himba Chiefs anfasse, mit dem er in den Krieg gezogen ist.

 

Bis heute hat er es aufbewahrt und passende Patronen dazu versteht sich. Das Gewehr funktioniert immer noch und dient der Selbstverteidigung und Abschreckung.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Mehr als tausend Kilometer sind wir von Windhoek in Richtung Norden bis nach Epupa gefahren. Gefühlt sind wir im Nirgendwo und genau das mag ich. Aber ich habe mit etwas anderem gerechnet, mehr Tourismus aber irgendwie auch weniger und vor allem weniger Betteln und weniger Abzocke seitens der Einheimischen. Nach all meinen Reisen im südlichen Afrika bin ich genauso abgenervt wie an den Victoria Falls in Zimbabwe, ein wesentlich größerer Touristenhotspot als Epupa Falls.

 

Wer auf der Suche nach diesem ursprünglichen Erlebnis ist, der sollte lieber nach Etambura fahren. Meine Intention hingegen ist es das Volk der Himba in ihrer traditionellen Lebensweise ebenso zu dokumentieren, wie die moderne und das aufeinander treffen beider Lebensweisen. Genau diesen Einblick gewährt Epupa auf intensive Art und Weise. Die Frage der sich viele Himba stellen, will ich ein traditionelles halbnomadisches Leben führen oder sesshaft werden.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Im Dorf gibt es mehrere Guides, die täglich die vier Lodges besuchen, sodass die Buchung einer traditionelle Kraaltour absolut problemlos buchbar ist. Eine Vorbuchung ist meines Wissens auch nicht möglich, es sei denn direkt über die Lodge.

 

Besonders empfehlen kann ich Kamburo und  John. Eine Tour kostet 200 NDollar pro Person für den Guide und ca. 500 bis 600 NDollar an Lebensmitteln für die Kraalbewohner.

 

Meiner anscheinend ungewöhnlichen Bitte das Dorf zu besuchen kam Kamburo nach etwas Organisation nach und so konnten wir in das natürliche Treiben eintauchen.

Kamburo bekam, wie üblich, 200 NDollar pro Person  und ich sollte 400 NDollar in kleinen Scheinen mitbringen, die er in unserem Beisein an die Menschen im Dorf verteilt, die uns etwas zeigen oder die ich fotografiere.

 

Wer Epupa besucht, der sollte unbedingt genug Bargeld einstecken. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Credit Card Machine in der Lodge zumindest angeblich nicht funktioniert und eine Cash Machine gibt es nicht im Umkreis von mehreren hundert Kilometern, ebenso wenig wie Wechselgeld (eine der wichtigsten Erkenntnisse der Reise nach Epupa und wir haben immer ausreichend Bargeld).

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Nach Kaffee und Toast machen wir uns mit Kamburo auf den Weg in das kleine Dorf direkt neben unserem Camp. Natürlich könnt Ihr auch allein durch das Dorf spazieren, allerdings möchte ich auch mit den Einheimischen in Kontakt treten und dies geht oftmals nur über Kamburo. Die meisten Himba sprechen erstaunlicherweise kein Englisch, obwohl die Schulpflicht besteht und Englisch die Landessprache ist. Viele Himba gehen demnach nicht zur Schule.

 

Darüber hinaus kann ich mir gewiss sein, dass ich mich in Kamburos Anwesenheit frei bewegen und fotografieren kann und mich niemand anbettelt.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Wir haben Glück, es wurde gerade eine Ziege geschlachtet, Fleisch ist aufgrund der bereits mehrere Jahre andauernden Trockenheit teuer geworden, insbesondere da es fast nur noch Ziegen gibt.

 

Fast alle Rinder sind infolge von Futtermangel schon vor langer Zeit verendet, wer schlau war, der hat sein Vieh rechtzeitig verkauft. Eine Zwickmühle, da Rinder der Stolz der Himba sind und große Teile ihres Wertesystems auf dem Eigentum von Rindern beruhen.

 

Nichts von dem Tier wird verschwendet, nein es wird definitiv alles und bis zum letzten Rest genutzt. Die Menschen können es sich schlichtweg nicht leisten etwas zu vergeuden und haben den Tieren gegenüber einen anderen Respekt als wir es in unserer Kultur gewohnt sind.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Das Schlachten, Ausnehmen und Zubereiten der Tiere erfolgt an zwei streng voneinander getrennten Plätzen. Kopf und Füße der Ziege müssen mehrere Tage ausgestellt werden, damit jeder Dorfbewohner sehen kann, um welche Ziege es sich bei dem geschlachteten Tier handelt und das es sich nicht eine der eigenen Ziegen ist.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Alle sind aufgeregt und stolz, endlich wurde mal wieder eine Ziege geschlachtet. Wie üblich kommen zuerst die Innereien in den Topf und werden auf offenem Feuer gegart, bis einer der Dorfbewohner sich zum Kauf entschließt.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Zu meiner Verwunderung  sind alle Anwesenden vom Kauf begeistert, bis ich verstehe, alle Anwesenden sind mehr oder weniger eingeladen direkt zuzugreifen. Ja die Menschen scheinen eine andere Einstellung zum Teilen zu haben als uns das vielerorts vorgelebt wird.

  

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Die geschlachtete Ziege ist die Attraktion im Dorf und wie üblich kommen fast alle zum schauen. Die Menschen sind neugierig und es gibt nicht viele Highlights.

 

Das wir als einzige Touristen im Dorf mittendrin stehen ist eher Nebensache, wenn es glücklicherweise nicht sogar total untergeht. Es ist ein gutes Gefühl mittendrin und ein Teil davon zu sein, ohne als Tourist wahrgenommen zu werden.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Wer denkt Hühner sind Vegetarier, der kommt definitiv nicht vom Land. Die Hühner stürzen sich auf die frisch aufgehangenen Ziegenhälften, selbst die kleinsten von ihnen lassen nicht ab. 

 

Jeder der Anwesenden scheint irgendwie ein imaginäres Anrecht auf einen kleinen Teil der Ziege zu haben, oder ist es einfach nur die Faulheit die Tiere zu verscheuchen?

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Nachdem Kamburo so auch endlich zu seinem Frühstück gekommen ist, geht es weiter durch das Dorf. Es fällt auf, dass es viele traditionell gekleidete Himba neben vielen nicht traditionell gekleideten Himba gibt.

 

Mir scheint es mehr oder weniger irrelevant zu sein, ob jemand traditionell oder modern gekleidet ist und lebt. Auch innerhalb von Familien gibt es Personen die sich für und gegen eine traditionelle Lebensweise entscheiden.

 

Getroffen und geredet wird  in einer der vielen Bars. Es hat den Eindruck, als gäbe es eine regelrechte Kneipenszene in Epupa.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

Eine Reise durch das Kaokoveld ist nicht die Einstiegertour in Namibia. Es dauert etwas, bis sich die Sinne bzgl. des eigenen Geschmacks geschärft haben und man abseits der ausgetretenen Routen zu suchen beginnt.

Das Kaokoveld ist mehr als eine Reise Wert, Namibias einsamer und wilder Nordwesten, ein unglaubliches und unbegreifliches Ökosystem, endlose Weite, unendliche Einsamkeit und in jeder Hinsicht besondere Menschen - das ist die sogenannte "Arid Eden Route" und nichts für Jedermann. 



Seit Langem ist es ein Wunsch von mir die Himba im Norden Namibias zu besuchen. Irgendwie hat es während der vergangenen Reisen nie wirklich zusammengepasst.

Zu weit abgelegen ist das Kaokoveld im Nordwesten Namibias, dem typischen Siedlungsgebiet der Himba seit mehr als 500 Jahren.

Was bleibt mir also übrig, wenn man die Himba aus eigener Kraft zumindest mit dem Geländewagen erreichen möchte, als eine eigne Reise zu den Himba in das Kaokoveld zu unternehmen.



 

Es gibt nur zwei Läden im Dorf in denen man Lebensmittel kaufen kann und mehr als eine Handvoll Bars, denn diese habe ich besucht. Bereits am Morgen wird Bier getrunken und auch wenn vieles Mangelware zu sein scheint, der Biervorrat ist immer ausreichend.

 

Die Bars tragende schillernde Namen wir "Cash Cash" oder "New Life" Bar. Hier wird der Spagat zwischen Tradition und Moderne, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit augenscheinlich. Warum sollte das indigene Volk der Himba mit anderen Grundproblemen konfrontiert sein, als beispielsweise die San in der Kalahari.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Die kleine Bar ist bereits am Morgen gut gefüllt.  Der Tresen erinnert mehr an ein Gefängnis, besteht er doch überwiegend aus vergitterntem Holz.

 

Es stellt sich die Frage, wer sind hier die Inhaftierten, ich als Barkeeper hinter dem Tresen oder die Durstigen Kehlen davor? Es beschleicht mich ein beklemmendes Gefühl, ein Gefühl welches mich die ganze Zeit durch das Dorf und von Bar zu Bar begleiten wird...

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

In der "Cash Cash" Bar werden wir in die hiesige Kunst des Bierbrauens eingewiesen.

Man befüllt ein Plastikfass mit dem Wasser des nahe liegenden Kunene Flusses, gebe das ein oder andere Getreide und was sich sonst noch so findet hinzu, zur Abrundung dürfen natürlich Zucker und Hefebakterien nicht fehlen. Der  Sud wird dann einige Tage gären gelassen und fertig ist das Bier.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Die Prozedur wird gefühlt täglich wiederholt, damit der Biervorrat nicht ausgeht. Das fertige Bier wird direkt aus dem Fass geschöpft und durch ein Sieb gegossen, bevor es in einem Marmeladenglas in der Hand landet.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Mit besonderem Stolz zeigt mir der Eigentümer der Bar zwei blaue Ölfässer vor der Hütte. Es handelt sich um die einzige Schnapsbrennerei im ganzen Dorf und nur er kennt sich mit dem Prozess des Schnapsbrennens aus.

 

Ich fange an dem Mann den Prozess des Schnapsbrennens zu erklären und füge hinzu, dass ich als Kind versucht habe Rosenwasser durch Destillation in meinem Kinderzimmer zu produzieren. Leider ist ein Rosenblatt stecken geblieben und hat alles zur Explosion gebracht hat. 

 

Der Mann fängt an verschmitzt zu lächeln und schenkt mir einen achtungsvollen Blick. Es dauert verständlicherweise, bevor die Menschen einem ein tiefgründiges Lächeln und einen tiefgründigen Blick schenken, aber dann ist es von Herzen.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Die Menschen im Dorf sind sehr freundlich und ein wenig stolz, dass wir uns für sie, ihr Leben und ihr Dorf interessieren, obwohl die Lodges und die Touristen direkt nebenan sind.

 

Die Lebensgemeinschaft erscheint harmonisch und dennoch ist die Armut allgegenwärtig. Kamburo achtet penibel darauf, so vielen Menschen wie möglich etwas von unserem Geld abzugeben.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Alkohol und Arbeitslosigkeit sind die offensichtlichsten Probleme. Es gibt kaum Arbeit und die Bars sind bereits am Morgen gefüllt. Kirche und Bars sind in einem direkten Konkurrenzkampf und mit unklarem Gewinner.

 

Neben vielen kleinen gepflegten Hütten treffen wir auch immer wieder auf verfallende Hütten und Bauruinen. Epupa Falls bietet nur denjenigen eine Perspektive, die im Tourismus etwas verdienen können.

 

Zumindest solange die Trockenheit anhält und das wenige Wasser des Kunene in Angola gestaut wird. Weite teile des Kunene können zur Zeit nur noch mit einem Boot befahren werden, wenn in Angola die Schleusen aufgedreht werden.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

 

Kamburo unser Guide ist einer von drei Guides im Dorf. Sein Vater ist Portugiese und seine Freundin betreibt einen der Dorfläden. Wenn Kamburo nicht gerade Touristen zu den Himba führt, dann schnitzt er Nüsse, die er an die vier Lodges verkauft.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Von seinem gesparten Verdienst kauft Kamburo sich Rinder, denn Rinder sind Wohlstand für die Himba. Das Futter für die Rinder baut Kamburo auf einer kleinen gemeinschaftlichen Ackerbaufläche an. Sein Zuckerrohr gedeiht gut, im Gegensatz zu den Pflanzen anderer Dorfbewohner.

Das Ackerbau weiterhin in Epupa betrieben werden kann ist der Luxus, dass der Kunene noch Wasser führt. Alle südlich lebenden Himba können seit geraumer Zeit bereits nichts mehr anbauen.

 

Kamburo hat sich auch ein Stück Land gekauft und darauf ein Steinhaus gebaut, einen Garten angelegt und sein Grundstück eingezäunt. Er hat das schönste Haus im ganzen Dorf.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Aus unserer Sicht kann man sagen, Kamburo ist fleißig, einfallsreich, zielorientiert und schafft es durchaus seine Fähigkeiten unter den gegebenen Umständen bestmöglich einzusetzen.

 

Nebenbei erzählt er uns eine Geschichte. Der Dorfrat hat ihn von der Teilnahme an einer Entscheidung mit der Begründung ausgeschlossen, da Kamburo eine weiße Ansicht der Dinge habe, denn sein Vater ist ja Portugiese. Kamburos Mutter ist Himba, er ist in Epupa Falls geboren und aufgewachsen und stellt sein tägliches Schaffen zu großen Teilen in den dienst des Dorfes.

 

Vorurteile gibt es überall auf der Welt, unabhängig von Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sozialem Wohlstand und sexueller Orientierung - eine Geschichte die mich erneut nachhaltig zum Nachdenken anregt. Zu diesem Thema gibt es bereits ein hervorragendes und völlig unterschätztes Buch - "Born a crime", welches zur Zeit der Apartheit in Südafrika spielt.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Vor seiner Hütte auf dem Boden sitzend treffen wir den "Goldschmied". Er fertigt den traditionellen Schmuck für die Himba, sämtliche Fuß- und Armreife sowie die Ketten. Ein Mann der seinen Beruf liebt und überaus Fingerfertig ist.

 

Dabei stehen ihm nicht mehr als eine Handvoll Werkzeuge zur Verfügung, die er gekonnt und kreativ einzusetzen weiß.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

In nicht mehr als zehn Minuten fertigt er uns einen Armreif aus gold schimmerndem Blech mit einzeln gravierten Fischen. Seine Hände bewegen sich gekonnt mit dem Werkzeug auf einem Stein vor seiner Hütte, seiner Schmiede.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Seine Frau wirkt uns gegenüber abweisend. Ihr Gesichtsausdruck wird erst freundlicher nachdem Kamburo uns nach Schmerztabletten fragt, da die Frau starke Rückenschmerzen aufgrund einer alten Verletzung hat.

Wir bringen in Erfahrung, dass sie vor Jahren nachts betrunken gefallen ist und sich verletzt hat.

 

Die Stimmung kippt zum Positiven, als wir ihr Schmerztabletten versprechen und sie schenkt uns ein lächeln. Jeder hier ist dem harten Alltag ausgesetzt und jeder versucht so gut es eben geht im Leben zurechtzukommen, auf seine eigene Art und Weise.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

 

Der Schmied ist immer noch versunken in seiner eigenen Welt und fertigt den Armreif. Er ist stolz uns seine Fähigkeiten beweisen und uns zeigen zu können, dass er all den Schmuck für die Himba in dieser Region fertigt.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Meine Eindrücke des Besuches in Epupa Falls haben eine weite Spanne, egal ob Mann oder Frau, traditionell oder modern lebend. Viele Menschen sind uns freudig positiv zugeneigt, andere hingegen reserviert, abwartend oder gar verängstigt begegnet

 

Ich möchte keine Bewertung vornehmen und kann den Kern ihrer Gefühle nachvollziehen, ihre Skepsis den weißen Menschen gegenüber.

Viele von ihnen kennen uns nur als reiche Touristen, die in der Lodge gegenüber übernachten und daran interessiert sind sie als Teil ihres Urlaubes zu beobachten.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Dazu kommt die Vergangenheit und die vielen überlieferten Geschichten, eins kommt zum anderen und dennoch gibt es so viele fröhliche, neugierige und wissensbedürftige Gesichter. Ich bin mir nicht sicher zu welche Sorte von ihnen ich gehören würde und dennoch habe ich eine leise Ahnung.

 

Neu auf dieser Reise war es für mich, dass Kinder Angst vor mir haben, mich mit Entsetzen anschauen und anfangen zu weinen vor Angst. Keine schöne Erfahrung und ich hoffe, dass sich die DInge ändern...

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Egal wo ich auch lande auf unserem wunderbaren und bunten Planeten, eines ist sicher - überall wird Fußball gespielt - Fußball vereint.

Egal, ob auf einem staubigen Sandplatz mit drei Holzpfosten als Tor oder auf einem gewässerten Rasenplatz in Deutschland. Wir alle haben eine gemeinsame Basis die uns eint und Fußball ist definitiv ein Teil davon.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Vielen Dank Kamburo für diese wunderbare Tour, die tiefen und ehrlichen Einblicke, dafür das Du dich uns geöffnet hast und dafür, dass Du deinem Dorf und seinen Einwohnern so verbunden bist und viel dafür gibst, dass es nicht nur Dir, sondern allen Einwohnern etwas besser geht.

 

Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia
Himba Epupa Falls village Kaokoveld Namibia

 

Falls Ihr euch immer noch wundert, was denn eigentlich das Titelfoto mit Epupa Falls zu tun hat, möchte ich Euch nicht länger im Dunkel tappen lassen. Dies ist die Tankstelle von Epupa Falls. Wer die richtigen Leute fragt, dem wird der Weg zu einem kleinen Schuppen mit Dieselfass gewiesen.

 

Getankt wird in 5L PET Flaschenrationen, als Einfüllstutzen dient eine abgeschnittene Plastikflasche, die falsch herum in den Tank gesteckt wird. Der Preis - 100% Aufschlag zu Opuwo und im Umkreis von 300 km das einzige Dieselfass.

 

 

Wollt Ihr auch mal die unendliche Weite des Kaokoveldes auf eigene Faust und auf vier Rädern erkunden, dann ist Carsten Möhle wahrscheinlich der richtige Ansprechpartner für Euch.

 




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