reisebericht overlanding marokko

Ein Mal im Leben an den Rand der Wüste Sahara, mit den eigenen Füßen durch den Sand laufen, die Hitze, den Wind und den Sand spüren und natürlich dem Volk der Sahara, den Amazir begegnen, dass war schon lange ein Traum von mir.

 

Die Overlandingreise geht nach diversen Reisen im südlichen Afrika nach Marokko, dem ersten nordafrikanischen Land auf dem Kontinent für mich. Gute zwei Wochen sind wir auf unserer Selbstfahrerreise von 1.700 km unterwegs und entdecken Marokko für uns.



Marokko ist als sicheres afrikanisches Einsteigerreiseland bekannt und touristisch schon lange kein Geheimtipp mehr. In den größeren Städten und auf den Hauptrouten hat der Massentourismus Einzug gehalten.

Wir haben als Reisezeit für uns den September gewählt, um möglichst vielen Touristen aus dem Weg gehen zu können. Grundsätzlich bieten sich hierfür die Monate April/ Mai und September/ Oktober als Nebensaison an. Im Sommer ist es an der Atlantikküste häufig sehr windig und die Winter sind im Gebirge und den höheren Lagen sowie der Wüste empfindlich niedrig.

 

Ergänzend zu diesem Blogartikel findet Ihr unsere vollständige Route und alle Unterkünfte auf der verlinkten Google Maps Karte. Weitere Informationen direkt aus Marokko findet Ihr in dem verlinkten VLOG.

 

Marokko ist insbesondere für Afrikaeinsteiger gut bereisbar, ein Geländewagen ist auf den durchweg sehr gut geteerten Hauptstraßen nicht erforderlich, wirklich jeder kann hier ganz entspannt im Mietwagen durch das Land fahren. Die Verkehrsverhältnisse sind für afrikanische Verhältnisse hervorragend, nur in den engen Medinas der größeren Städte wird es wuselig. Offroadfreunde kommen natürlich auch auf Ihre Kosten, sobald die Hauptstraßen verlassen werden.

 

Marokko ist von diversen Destinationen Europas über gute Flugverbindungen und zu fairen Preisen erreichbar. Wir sind mit KLM über Amsterdam nach Marokko geflogen, da wir nicht nach Agadir fliegen wollten. Ein Visum ist für Europäer nicht notwendig.

 

Die marokkanische Währung Dirham darf nicht ein- und ausgeführt werden. Geld kann in den Wechselstuben am Flughafen zu unterirdischen Kursen und astronomischen Gebühren getauscht werden. Ich empfehle direkt in ein Taxi zu steigen und auf dem Weg zum Riad an einem Geldautomaten anzuhalten. Geld kann problemlos mit einer Kreditkarte (Master/Visa) an jedem Geldautomaten abgehoben werden. 

 

Wir haben Marokko als durchweg offenes, sehr freundliches und sehr sicheres Reiseland erlebt, mit Ausnahme von wenigen Trickbetrügereien. Herausfordernder ist die Jahrtausende  alte Kultur der Händler, die jeder Marokkaner für sich perfektioniert hat und denen die wenigsten Touristen gewachsen sind.

 

Das Handeln sollte als Teil der Kultur, als Teil der Erfahrung gesehen werden und das ist es auch weitestgehend. Jeder Händler möchte Euch hier etwas verkaufen und hat dafür auch den ganzen Tag, um Euch jedes Teil in seinem Laden zu zeigen und Euch dieses zum mindestens doppelten Preis anzubieten. Dies gilt im übertragenen Sinn für fast alle Menschen, jeder möchte verständlicherweise seinen Schnitt mit Euch machen. Handeln gehört zum Kulturgut und wenn eine Einigung zu welchem Preis auch immer zu Stande kommt, dann ist das ein fairer Deal für beide Parteien, denn sonst hätte eine Partei nicht angenommen. Spielt das Spiel bestimmt mit einem Augenzwinkern mit, die lokalen Preise werdet Ihr schnell herausfinden und Euch dann anpassen. Im Allgemeinen hilft häufig ein unaufgeregtes und freundliches la shukran (nein Danke), um den meisten weiteren Verhandlungen aus dem Weg zu gehen.

 

Die grundsätzliche Regel lautet, nichts ist umsonst, kein Tee, keine Wegerklärung, kein nichts und wer vorher nicht nach dem Preis fragt und ihn fest verhandelt, der wird am Ende häufig mit horrenden Forderungen konfrontiert - hier wird jeder zum Händler und lernt für das Leben.

 



 

Wir starten unsere Overlanding Selbstfahrerreise in Marrakesh und steigen direkt für drei Nächte tief ein in das Treiben. Mit den gewonnenen Eindrücken und Erfahrungen brechen wir auf in Richtung Osten und überqueren auf unserer ersten Etappe das Atlasgebirge, der  geografischen Grenze der überwiegend im Nordwesten lebenden Araber und der im Süden und Südosten lebenden Berber, die als indigenes Volk Nordafrikas den Namen Amazir (Free Man) gegenüber dem arabischen Namen Berber bevorzugen.

 

Die Amazir sind ein stolzes, tief mit ihrer Kultur und den unterschiedlichen Arten der Wüstenlandschaften und Wüste verwurzeltes Volk; unabhängig, ob sie sesshaft sind oder als Nomaden leben. Diese tiefe Verbundenheit und Demut zu dem Land auf dem sie leben ist in  an jedem Ort zu spüren, so auch in dem kleinen und ursprünglichen Lehmdorf Tamdakht auf der Straße der Kasbahs. Das UNESCO Weltkulturerbe Lehmdorf Aid-Ben-Haddou meiden wir als Individualtouristen.

 

Die morgendliche Wanderung durch und um das historische Lehmdorf Tamdakht zeigt uns die Schönheit abseits der Touristenpfade. Unsere Reiseagentur hat uns an jedem Aufenthaltsort eine Tour mit einem lokalen Guide gebucht, der mit uns die Region erläuft und erkundet. Eine wunderbare Idee, denn so sehen wir das reale Leben der Menschen, kommen mit den Guides in Kontakt und lernen viel über die Region und die Menschen. Als muslimisches Land ist das öffentliche Bild überwiegend von Männern geprägt. Fotografieren ist keine Selbstverständlichkeit, es ist unbedingt immer vorher zu fragen.

 

Die nächste Etappe führt uns weiter in Richtung Osten, die Geografie verändert sich stetig seit der Überquerung des Atlasgebirges. Wir fahren durch unendliche Weiten aus Stein- und Geröllwüsten, die an Landschaften aus Namibia erinnern, bis wir unser heutiges Reiseziel das Dades Tal und die Dades Schlucht erreichen. Für die kommenden zwei Tage entdecken wir hier wandernd die Schönheit der Natur und unfassbarer Slot Canyons sowie der monkey fingers. Unser Guide Lahcen sticht von allen Guides in jeder Hinsicht besonders positiv hervor. Lahcen ist ein wunderbarer Mensch und bietet unterschiedliche Touren an, die mit Tourismus nichts zu tun haben und Euch in die Angelegenheit des Dades Tal führen. Hier könnt Ihr direkt bei Lahcen buchen.



Langsam und beständig nähern wir uns der Wüste, unser nächste Stopp ist Zagora, die letzte größere Stadt bevor die Sahara beginnt. Von hier aus sind es 52 Tage bis nach Timbuktu in Mali, wie noch eine der alten Tafeln am Ortseingang  eindrucksvoll zeigt.

 

Hier wird einem die damalige Bedeutung der Nord- Süd-Handelsroute Marrakesh Timbuktu auf der Straße der tausend Kaspahs bewusst. Dies zeigt auch unser nächster Zwischenstopp, die kleine Oasenstadt Tamegroute, die nicht nur für grün gebrannte Keramik in Marokko bekannt ist, sondern auch für ihre Koranschule und die Sufi-Bibliothek, deren Bücher bis zu 900 Jahre in die Vergangenheit gehen und zu deren Sammlung auch ein Buch über den Satz des Pythagoras aus dem 14. Jahrhundert gehört.

Im laufe der Reise wird für mich immer plastischer, welchen Reichtum der Handel und der Sklavenhandel entlang dieser Route erschaffen haben und welche Hochkultur hier herrschte.

 

Hinter Tamegroute beginnen die ersten winzigen Sanddünen der Sahara sich neben der Straße aufzubauen und unser Tagesziel, die Oasensiedlung Mhamid, als Eingangstor zur Sahara ist nicht mehr fern.

 

Hier steigen wir um in einen Geländewagen, dem modernen Dromedar,  unseres Amazir Fahrers, der uns zu den ersten hohen Sanddünen der Sahara nach Erg Chegaga bringen wird. Es beginnt ein wilder Ritt in der nachmittäglichen Hitze und dem folgenden Sandsturm durch die Geröll- und Sandfelder der Sahara. Die neuesten Amazir Beats schallen aus den Boxen, während unser LandCruiser teilweise mit 100 kmh durch die aride Zone vorbei an Siedlungen von Halbnomaden und deren Dromedarherden fliegt. Nach gut zwei Stunden intensiver Berbermassage, wie die Amazir selbst ihren Geländewagenritt nennen, zeichnen sich die imposanten Dünen der Sahara in der Frontscheibe ab. Ein absolutes Highlight dieser Reise neigt sich dem Ende.

 

Unser Camp ist eines von vielen in den Dünen der Erg Chegaga, die in Dünenmulden unsichtbar voneinander getrennt sind, so dass ein Gefühl von Einsamkeit aufkommt. Hier im Wüstencamp bekommt das Gefühl Hitze eine ganz neue Dimension, während es im Zelt über 40 Grad sind und draußen der nachmittägliche Sandsturm tobt. Die Nachttemperaturen betragen min. 20 Grad und die Tageshöchsttemperatur geht an die 40 Grad.

 

Am nächsten Morgen Morgen steigen wir auf ein Dromedare und brechen auf zu einer Wüstentour mit unserem Guide Youssuf. Zu Fuß hätte ich bereits nach 15 Minuten die weiße Fahne gehisst, so halte ich literweise Wasser trinkend auf dem Rücken des Dromedars aus und geniesse die Stille, die Weite und die Einsamkeit der Wüste die mich süchtig macht.

Am Ende der Tour bin ich  erschöpft und überglücklich dieser Erfahrung gemacht zu haben, den Sand knirschend zwischen meinen Zähnen und die Kleidung klatschnass geschwitzt.

 

Zurück aus der Wüste geht es nun zurück in Richtung Westen bis an die Atlantikküste, mit einem Zwischenstop in Agdz im wunderschönen Drama Tal, hier wandern wir durch die schier unendlichen Dattel-, Feigen-, Granatapfel- und Orangenhaine und wähnen uns im Garten Eden.

 

Nach einem weiteren Übernachtungsstop erreichen wir Essaouira an der Atlantikküste. Unser Riad ist direkt in der Medina am Hafen gelegen. Die historische Stadt ist mit den Stadtmauern und Kanonen noch nahezu vollständig erhalten und erzählt eine unbeschreibliche Geschichte aus Licht und Schatten aus der damaligen Zeiten des Handel- und Sklavenhandels.

 

Essaouira wirkt auf mich als Kontrast zu Marrakesh, eine marokkanische Stadt wie ich Sie mir vorstelle habe und ein absolutes Highlight der Reise. Auch hier bewegt man sich entspannt und sicher durch die Gassen und den Hafen vorbei an den Ständen der Fischer, die ihren Tagesfang anbieten. Vielerorts ist Musik zu hören, insbesondere die marokkanische Sklavenmusik, die mich mit dem Wind und Salzgeruch des Meeres die ganze Zeit im Ohr durch Essaouira begleitet.

 

Essaouira ist  eine Künstlerstadt mit viel dargebotener Kunst und eine bekanntes Surferparadies am Atlantik mit endlosen Sandstränden zum Spazieren, Baden und sich treiben lassen.

 

Ein weiteres Highlight der Region um Essaouira, neben den auf Bäume kletternden Ziegen und dem Arganöl, ist die Möglichkeit den größten regionalen Bauernmarkt in Had Draa mit einem Guide zu besuchen.

Hier werden fast ausschließlich lokale Produkte angeboten und Touristen sind eine absolute Seltenheit. Wir tauchen tief ein in das marokkanische Leben, kaufen Minze, verhandeln über den Kauf von Ziegen und Schafen, bevor wir über den Kauf von Ziegenköpfen und Kamelfleisch auf dem Schlachtermarkt nachdenken. Anschließend werden die Einkäufe im open air Restaurant auf Plastikstühlen und Bänken auf einem offenen Grill zubereitet, natürlich mit stilechter Teezeremonie - echte marokkanisch.

 



 

Gebucht haben wir unsere Marokko Selbstfahrerreise mit "MAROKKO ERLEBEN" aus Hamburg. Das familiengeführte Reisebüro besitzt jahrzehntelange Erfahrungen aus eigenen Marokkoreisen und kann Euch für jede Preiskategorie und jede Interessenlage eine individuelle Reiseroute zusammenstellen. Uns ist es besonders wichtig, dass Marokko erleben ausschließlich mit lokalen Anbietern zusammenarbeitet und das Geld vollständig und direkt bei den Menschen ankommt.

 

Alle Guides und Riads auf unserer Reise haben sich positiv über Marokko erleben geäußert, insbesondere dass das Geld immer ankommt und bereits im Voraus gezahlt wird und man sich auf dieses Reisebüro absolut verlassen kann. Ein wirklich sehr schönes Kompliment, welches wir aus dem Buchungsprozess nur bestätigen können.

 




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