reisetagebuch – die meisten reiseerlebnisse gewinnen erst im nachhinein, manche auch nicht...

Die Reiseerlebnisse die sich auf ewig in unser Hirn brennen sind meisten die Geschichten außerhalb der Reihe. Ausnahmesituationen in denen scheinbar alles schief lief, die uns vor neue Herausforderungen stellten, die unberechenbar und unbequem waren, eben die Situationen die uns ungewollt aus unserer Komfortzone herauskatapultiert haben. Wir haben diese Situation irgendwie überstanden und erst im Nachhinein realisiert, wie gut wir die Situation eingeschätzt und gehandhabt haben oder eben auch nur wie unglaublich viel Glück wir mal wieder gehabt haben.

 

Von letzterem handelt diese Geschichte, spielt in Maputo Mosambik und ist schon etwas länger her, kommt mir aber immer wieder in den Kopf und jedes Mal denke ich dann wieder – verdammt Dennis, was hast Du für ein Schwein gehabt!

 

Damals war ich auf einer Dienstreise in Mosambik unterwegs, die ich verlängert habe, um Land und Leute etwas näher kennen zu lernen. Mosambik ist nicht gerade ein Vorzeigeland aufgrund von politischer Stabilität, tobte doch vor nicht allzu langer Zeit noch ein Bürgerkrieg in diesem wunderschönen Land und die Geschichte ist heute noch real in Form ungeräumter Minen und vielen Menschen mit Amputation präsent.

 

Die Militärpolizei ist auf den Straßen der Hauptstadt sehr präsent und ihre Fahrzeuge unverkennbar – matschfarbene Toyota Land Cruiser Mannschafts-wagen als Pick Up mit Polizisten in Militäruniform und AK 47 Gewehren auf der Ladefläche.

 

 

Wir verlassen gerade die Weihnachtsfeier nachts um halb eins in Maputo Downtown und kommen aus einer restaurierten portugiesischen Villa, strahlen weiß gestrichen, während die Gebäude in der Umgebung grau sind und verfallen. Hier blüht der reine Kapitalismus dank Korruption...

 

Kaum sind wir in das Auto meiner Kollegin eingestiegen und losgefahren, schon blinkt das Licht der Militärpolizei im Rückspiegel – Kontrolle. In Mosambik ist es die Pflicht eines jeden seinen Pass immer bei sich zu führen.

Natürlich habe ich meinen Pass sofort im Hotel im Safe eingeschlossen, denn wenn ein Dokument für die Ausreise notwendig ist, dann der Reisepass und den wollte ich nicht verlieren.

 

Eine Militärkontrolle ohne Reisepass endet normalerweise mit eine Nacht im Gefängnis zur Identitätsfeststellung oder mit einem saftigen Bestechungsgeld. Bei Ausländern ist dieses Bestechungsgeld natürlich überproportional höher und bei „Weißen“ noch mal höher.

 

 

Konsequenterweise hätte ich also im besten Fall Bestechungsgeld zahlen dürfen, um dem Gefängnis zu entgehen. Glücklicherweise ist an diesem Abend mein Safe kaputt gegangen und glücklicherweise im offenen Zustand. Aus diesem Grund habe ich meinen Reisepass und Personalausweis in den Jeanshosentaschen, umgeben von dem ein oder anderen Metikal zur Bestechung.

 

Nichtsdestotrotz wird meine Zuversicht erheblich zurechtgestutzt als sich zwei Polizisten in Militäruniform und AK47 Maschinengewehren nähern. Nicht das ich annehmen würde, dass sie schießen , ich bin mir noch nicht mal sicher, ob Sie Patronen haben, aber die Optik stimmt und schüchtert ein.

 

Erwartungsgemäß unfreundlich ist der Auftritt. Mein Personalausweis fliegt durch das offene Fenster zurück in den Innenraum, gefolgt von dem harschen Kommentar – that`s no passport und einem Dollarzeichen in den Augen der Polizisten.

Entsprechend enttäuschend ist der Gesichtsausdruck, als ich meinen Pass aus der Jeans ziehe. Mein Gesichtsausdruck ist nicht minder enttäuscht, als die beiden Polizisten mit meinem Pass abziehen, um diesen in ihrem Land Cruiser in Ruhe in Augenschein zu nehmen und sich das weitere Vorgehen zu überlegen.

 

Währenddessen sitzen wir schwitzend im Auto, meine Kollegin ist aufgebracht und wütend und ihr ist klar, dass Sie den Deutschen auf keinen Fall einfach so ziehen lassen, ich bin quasi ein Lottogewinn.

Mittlerweile habe ich mein Selbstbewusstsein wiedergefunden und geben zum Besten, dass ich die Situation im Griff habe und im Zweifel alles zahle was notwendig ist, meine Taschen sind dementsprechend gefüllt. Etwas vermessen und großspurig von mir, aber gesundes Selbstbewusstsein hilft den Überblick über die Situation wiederzugewinnen.

 

 

Mein Pass bleibt vorerst in den Händen des Polizisten, der damit hin und wieder vor seiner Brust auf seine AK47 klopft. Zuerst versuchen Sie weitere Verstöße zu finden, fragen nach allen Papieren für das Auto, Führerschein etc. Als alle Versuche erfolglos bleiben und einer der Polizisten anfangen will den Verbandskasten und das Warndreieck zu prüfen (in Maputo!), bricht der andere Kollege abrupt ab, reicht mir meinen Pass und wünscht eine gute Fahrt.

 

Ich habe bis heute keine Ahnung, was zu dieser spontanen Erkenntnis führte und warum Sie uns haben fahren lassen, ohne uns einen einzigen Metikal abzunehmen.

 

 

Für mich selbst habe ich mitgenommen, selbstbewusstes und zurückhaltendes Auftreten in Grenzsituationen ist eine wichtige Voraussetzung.

Seit meiner Landung in Maputo war ich nicht ängstlich, eher natürlich  und vorsichtig beobachtend. Die AK47 Gewehre haben mich dann kurz eingeschüchtert und aus der Bahn geworfen, aber ich habe mir mein Selbstbewusstsein zurückerkämpft und eine gewisse Ruhe gegenüber den Polizisten ausgestrahlt.

Sie scheinen gemerkt zu haben, dass ich keine Angst hatte und wahrscheinlich hat mein Pass den Rest erledigt. Vielleicht mochte der Polizist deutsche und ganz sicher ist, dass er die deutsche Botschaft in Maputo kannte und diese nur ein paar Straßen entfernt war.

 

Sicher sind das alles keine Argumente. Viel eher wird er das Kosten Nutzen Verhältnis abgewogen haben. Und ich hatte so ein verdammtes Glück, dass der Safe kaputt war und den Pass dabei hatte. Der Safe wurde übrigens erst zwei Tage nach meiner Abreise wieder repariert. Das hätte eine verdammt lange Zeit im Gefängnis werden können, ist es aber nicht.

 

Lasst Euch nicht einschüchtern auf Reisen und lasst Euch vor allem nichts von den Medien einreden, es ist definitiv anders vor Ort und selten schlimmer. Vertraut auf Euer Glück, aber seit immer so gut vorbereitet wie möglich, ohne das es Euch anstrengt. Und denkt immer dran, die Geschichten außerhalb der Komfortzone sind die, die Euch weiterbringen...

 




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