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reisebericht: die lofoten - nix für warmduscher...

Neulich auf den Lofoten - mal eben schnell hinfliegen dachte ich mir - ist ja  mitten in Europa!

 

O.K. es handelt sich um  Nord-norwegen, ungefähr auf Höhe des nördlichen Wendekreises, aber den Bildern im Internet zu urteilen ist schon jeder da gewesen.

 

Das ist wie nach Dänemark zu fahren dachte ich mir. Meine Flugverbindung für den Hinflug lautet Hamburg - Oslo - Bodo - Leknes und auf dem Rückflug kommt noch Stockholm hinzu.  Irgendwie entpuppen sich die Lofoten dann als kleine Weltreise, wie es eben so oft ist beim Reisen und das ist gut so...

 

Der Überflug auf die Lofoten nach Leknes in einer robusten Zweipropellermaschine von Winderoy ist traumhaft und lässt mich am Ende einer langen Reise frohlocken.

 

Ich fliege durch leichte Tupfwolken in den nahenden Sonnenuntergang, unter mir glänzt das grünblaue Meer in dem sich eine Felslandschaft aufbaut, deren Schönheit ihresgleichen sucht.

 

lofoten norwegen norway

 

Doch die Lofoten sind selten schön und lieblich - die Lofoten sind meistens anders und gern auch rau und fies und dieses Gesicht zeigt sich mir überwiegend in der kommenden Woche.

 

Es regnet, es stürmt, es hagelt, es ist kalt und das gern auch alles zusammen. Irgendwie habe ich das Gefühl Wasser zu atmen. Aus meinen Gummistiefeln, Regenhose und Regenjacke komme ich die ganze Woche nicht heraus.

 

Sobald ich einen Schritt vor die Tür wage fühlt es sich so an, als ob jemand mir einen Eimer Wasser über den Kopf kippt, kurz darauf die Hagelmaschine anstellt und mir alles direkt ins Gesicht pustet.

 

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Also beste Bedingungen zum Fotografieren denke ich mir und das meine ich ernst , zumindest wenn man auf Nerdfotografie steht, so wie ich...

 

Allerdings gibt es dieses mal einige Herausforderungen, die ich schon oft gemeistert habe, und irgendwie läuft es dieses mal nicht so richtig rund, aber so ist das nun mal in der Fotografie und beim Reisen - in jedem Fall bleiben haufenweise Geschichten in der Erinnerung haften.

 

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Irgendwie hat der Wind etwas gegen mich und versucht mich bereits den ganzen Tag umzupusten, sogar stärker als in Island.

 

Vor meiner Abreise habe ich noch mein altes Stahlstativ von Manfrotto auseinander gebaut und gründlich von Sand und Salzwasser gereinigt und beim zusammenschrauben darauf geachtet, die Schrauben auch schön fest zu ziehen.

Leider habe ich eine Schraube übersehen und diese ist nun locker und gibt einem Stativbein einige wenige Millimeter Spiel. Wie der Zufall es will, habe ich leider nicht das passende Werkzeug zur Hand und auch kein Mitreisender.

 

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Also geht es trotzdem los an den Strand, der Wind pfeift, die Gischt ist hoch und der Regen pladdert in mein Gesicht. Die Kamera steht auf dem Stativ, ich bücke mich um einen Filter zugreifen, habe eine Hand noch zur Sicherung des Stativs in Reichweite und eine Windböe später liegt meine Kamera auf den Steinen.

 So schnell konnte ich gar nicht gucken, wie der Wind sie umgestoßen hat. Der Novoflex Adapter der Kamera schlägt nebst Stativkugelkopf und Filterhalter auf die Steine auf.

 

Die Kamera selbst bekommt keinen direkten Schlag ab. Den Novoflex Adapter kann ich jetzt als Axt benutzen, er durchtrennt auch einwandfrei das Kabel des Selbstauslösers. Der Filterhalter hat eine deutliche Delle, die ich kurz darauf mit einem Schlüssel feilend im Auto eine halbe Stunde bearbeite und mein Weitwinkelobjektiv funktioniert nur noch bei 14 mm und manuellem Fokus.

 

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Ganz ehrlich, manchmal läuft es einfach nicht rund, die Reise ist noch keinen Tag alt und ich habe bereits mein halbes Equipment ruiniert und noch mehr Glück als Verstand, dass mein Nikon D850 Body nichts abbekommen hat. 

 

In den kommenden Tagen wird meine Kamera noch den ein oder anderen Eimer 3 Grad warmes Wasser und diverse Hageleinlagen verkraften dürfen. Die Kamera nimmt diese Bedingungen stoisch hin, ohne auch nur ein Mal zu zucken.

So langsam glaube ich, Equipment das ich nicht zerstören kann, das könnt Ihr  getrost mit auf fast jede Expedition nehmen. Die Hersteller sollten mich bezahlen, damit ich versuche ihr Equipment zu zerstören...

 

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Am kommenden Tag gibt es dann noch einen Aufschlag, dicker Hals, dicke Nase und den Tag darauf noch Fieber, sodass ich mich erst mal zwei Tage in die Fischerhütte verziehe und außer einem kurzen Drohnenflug keine Freiluftaktivitäten unternehme.

 

Und doch hält es mich nicht lange im Bett, zu verlockend ist die atemberaubende Natur der Lofoten und zu kurz ist die Zeit.

 

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Die Bedingungen bleiben überwiegend durchwachsen, wie die Bilder meiner Lofotengallerie zeigen und dennoch entstehen gerade unter diesen Bedingungen ganz besondere Momente und Möglichkeiten - und das alles nur einen Hagelschauer entfernt.

 

Neben all den Herausforderungen, die sich mir auf den Lofoten stellen, hat es mir diese Inselgruppe vom ersten Moment an angetan, das Meer, die Berge, die Farben, die Einsamkeit, der Wind und die Steine. Die Lofoten haben eine einzigartige Schönheit zu bieten, die ich so nicht erwartet hätte und die es in jedem Fall lohnt zu entdecken...

 

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Manchmal läuft es eben und manchmal nicht und das hat nichts mit den Lofoten zu tun. Außerdem ist jede Erfahrung eine Geschichte, die ich nicht missen möchte. 

 

Ich würde jederzeit gern wieder die Lofoten besuchen (auch bei Dauerregen), dieses wunderschöne Fleckchen Erde.

 




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